Eine Herausforderung an das Christentum

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Die römisch-griechische Zeit der Urgemeinde

Als Christus auferstanden war, erschien er seinen Jüngern und jenen Leuten, die zuvor mit ihm unterwegs gewesen waren. Für die Außenstehenden war er verborgen geblieben. Die Jünger hielten sich versteckt. Doch nach Pfingsten wurden sie mutige Bekenner und vollbrachten die Wunderzeichen, die auch zuvor ihrem Herrn und Meister gefolgt waren. Die damalige Welt wurde dadurch auf sie aufmerksam.
Doch der religiösen Umwelt fehlte die theologische Begründung für die neue geistige Kraft. Diese Umwelt bestand im Wesentlichen aus Juden, Römern und Griechen. In dieser Welt war das Opfer Christi nur schwer einzuordnen. Diese Völker opferten Tiere  in beträchtlicher Zahl in ihren Tempeln, welche   die Schlachthöfe der Antike darstellten. Menschenopfer waren nur unter den Kanaanitern üblich gewesen. Barbaren übten sie noch weiterhin aus, wie Legionäre zu berichten wussten.
Das AT der Juden kennt nur einen Fall, bei dem ein Mensch geopfert werden sollte. Der betrifft die versuchte Opferung Isaaks durch Abraham. Doch diese wurde bekanntlich unterbrochen.
Als der erste Theologe der Urkirche, Paulus, sich mit diesem Problematik auseinandersetzte, musste er zwei Fragen beantworten:

A . Warum musste unbedingt ein Mensch geopfert werden, um unsere Sünden zu sühnen?
B . Warum reichte das Opfer nur eines Menschen für die Vielen anderen aus?

ZU A: Die erste Frage beantwortet Paulus in Hebräer 2, 12-28. Ein Mensch kann nur durch einen heiligen Menschen erlöst werde.  Ein Tier stellt kein adäquates Opfer dar. Pauli Argumentationen im Hebräerbrief und anderen Schriften machen das einsichtig.

ZU B: Doch reicht das Opfer eines Menschen für die Sünden der Vielen. Immerhin haben die Kimber und Teutonen in ihrer ersten Schlacht gegen die Römer alle Gefangenen zu Ehren ihres Gottes Wotan geopfert. Auch andere Naturvölker kannten nur das wiederholte Menschenopfer. Also erhebt sich die berechtigte Frage: Wie kann nur ein Mensch die Sünden vieler durch ein einmaliges Opfer aufheben? Paulus will und muss den damaligen Menschen darauf eine Antwort geben. Dabei greift er auf die Geschichte des Sündenfalles im Paradiese zurück (1.Mose 3) und argumentiert etwa folgendermaßen: „So wie durch einen Menschen ADAM die Sünde in die Welt kam, so kommt die Erlösung durch den einen CHRISTUS!“(Römer 5,12-18) Durch Adam sei die Sünde zu allen durchgedrungen. Evas Verfehlung konnte Paulus dabei Adam anrechnen, denn Eva war ja aus einer von Adams "Rippen" entstanden, also "geklohnt".Frauen besaßen außerdem damals nicht die Anerkennung, die sie heute genießen. Der Mann war für sie verantwortlich - so auch hier. (1.Mose 3,2-3) Wie es auch immer gewesen sein mag, die Rechtfertigungslehre des Paulus wurde von der damaligen Gesellschaft akzeptiert. Dabei war dem Apostel durchaus bewusst, dass auch seine Erkenntnis unvollkommendes "Stückwerk" war. (1.Kor. 13)

Die moderne Zeit

  1. Im zweiten Jahrtausend n. Chr. n. werden neue Fragen an den christlichen Glauben gestellt, wie z.B. „Ist die Erde wirklich eine Scheibe?“ oder „Dreht sich die Sonne um die Erde oder die Erde um die Sonne?“ usw.
  2. Schwieriger ist die Frage zu beantworten: “Stellt die Adam-Eva-Geschichte eine wahre historische Begebenheit dar oder ist sie nur ein sog. Mythos?“
  3. Doch die größte Herausforderung an den Glauben stellt heute die Evolutionstheorie!

ZU 1: Die Antworten auf den ersten Fragenkomplex sind bekannt. Die modernen Naturwissenschaften haben sich durchgesetzt. Die Weltanschauung, die der Bibel zugrunde liegt, ist subjektiv und damit relativ. Sie wurde der Vorstellungswelt der damaligen Zeit angepasst. Hätten die Autoren unsere Anschauung der Bibel zugrunde gelegt, dann wäre diese nicht verstanden worden. Die Autoren der Bibel beschreiben also Gottes Wirken in der Vorstellungswelt ihrer Zeit. Alle Christen, welche nicht zu den extremen Fundamentalisten gehören, erkennen auch an, dass diese kosmologischen Beschreibungen der Bibel zeitgemäße Darstellung sind, die damals unbedingt erforderlich waren.


ZU 2: Wenn die Adam-Eva-Geschichte einen Mythos darstellt, hinter dem keine historische Wahrheit steht, dann sehen viele Christen für die Rechtfertigungslehre des Paulus kein tragendes Fundament mehr! Daher rührt auch der enorme Widerstand einiger Christen gegen die Evolutionslehre. Solange Wissenschaftler davon ausgehen, Menschen seien schrittweise entstanden, so können sie der Paulinischen Rechtfertigungslehre schwerlich folgen. Wenn z.B. nach ihrer Meinung der erste Evolutionsschritt einen "Halbmenschen" erzeugte, der vorletzte einen "Fast-Menschen" usw. , dann wird es ihnen schwerfallen, an die Adam-Eva-Geschichte zu glauben und es wird ihnen dann auch nicht die Rechtfertigungslehre des Paulus einleuchten. Der Schritt vom Tier zum Menschen wird ein einmaliger Vorgang gewesen sein. Wenn es Zwischenstufen zwischen Mensch und Tier gegeben hätte, müssten sie heute noch existieren. Aber Zwischenstufen können höchstens im Erscheinungsbild ausgemacht werden, aber nicht in den intellektuellen Fähigkeiten. Zwischen den geistigen Fähigkeiten von Tier und Mensch liegen Welten.Aber kann Gott aus dem Leibe einer Primatenmutter einen Menschen entstehen lassen? - Wenn der Schöpfer des Lebens aus dem Leibe der sündigen Maria einen vollkommenen Menschen, Namens Jesus Christus, entstehen lassen kann, dann wird es ihm auch möglich gewesen sein, einen Menschen, mit dem Synonym "Adam", im Körper einer Primatenfrau heranwachsen zu lassen. Ähnlich kann er Eva erschaffen haben. Offenbar hat er jedoch Eva "geklohnt", wie es die Adam-Eva-Geschichte nahelegt. Grundsäzlich ist für dem Schöpfer nichts unmöglich. - Wenn Adam jedoch auf natürliche Weise geschaffen worden sein sollte, dann haben wir in der Adam-Eva-Geschichte einen sog. Mythos vor uns, der wie ein Gleichnis zu behandeln wäre.

ZU 3:Der Tod muß schon vor dem ersten Menschenpaar präsent  gewesen sein; denn in den frühesten Schichten der Erdgeschichte findet man Spuren des Todes. Mithin gab es den Tod schon vor Adam. Wodurch wurde er verursacht? Nun, einige Tiere wie die fleischfressenden Saurier fraßen andere Tiere. War das Sünde? Gott will schließlich das Leben und nicht den Tod! - Im Übrigen ist "Töten" nur Sünde, wenn der Schöpfer es verbietet. - Professor Werner Gitt  sagte vor Jahren zu mir sinngemäß das Folgende: „Wenn wir annehmen, dass Tod und Sünde vor der Erschaffung des ersten Menschen vorhanden waren, dann stürzt  alles zusammen.“ Mit „alles“ muss er die Rechtfertigungslehre des Paulus gemeint haben.
Wie gehen wir nun mit der Evolutionstheorie um?  Wie es scheint, so steht sie mittlerweile auf sehr festen wissenschaftlichen Grundpfeilern, die immer breiter werden.  Fällt jetzt Paulus seine Rechtfertigungslehre in sich zusammen? Geblieben sind bis heute der Glaube an die Auferstehung wie der an die Wiederkunft Christi  und der Glaube an die Wunderkraft des Herrn. Mehr hatten die Jünger Jesu und späteren Apostel auch nicht geglaubt, bevor Paulus zu ihnen stieß. Doch Paulus hatte Entscheidendes dazu beigetragen, dass die Wirkungsgeschichte des Christentums einzigartig wurde. Außerdem hat schon Jesaja in seinem 53. Kapitel die Paulinische Erlösungstheorie 700 Jahre vor Christi Geburt vorweggenommen. Allein deswegen sollte sie schon Gültigkeit besitzen.Dennoch wird gerade von intellektuellen Christen eine Erklärung dafür erwartet, warum das einmalige Opfer Jesu für alle reichen soll! Der ev. Theologe Bultmann hat versucht, auf die Ablehnung der Erlösungstheorie  mit einer modernen Auslegung Antwort zu geben.  Den Physikprofessor Carl Friedrich von Weizsäcker hat er damit für den christlichen Glauben zurückgewinnen können und nicht nur ihn. Viele fundamentalistische Christen greifen hingegen moderne Theologen heftig an und wollen ihnen den rechten Glauben absprechen. Das ist auch kein Wunder, denn Leiter und Prediger ihrer Gemeinden sind in der Regel auf  Bibelschulen ausgebildet worden, in denen sie keinen  Professor der Biologie, Chemie, Physik oder Archäologie antreffen konnten. Der Austausch mit ihnen unterblieb. Anders ist das natürlich an den Universitäten, an denen immer ein reger Austausch zwischen Theologieprofessoren und anderen Wissenschaftlern stattfindet.

Letzte Gedanken

Gott ist vollkommen – unser Erkennen und Wissen aber sind beschränkt (Paulus: 1 Kor. 13). Wenn wir einmal vor Gottes Richterstuhl erscheinen werden, dann werden wir nicht nach Rechtgläubigkeit beurteilt werden, sondern nach unserer Gesinnung, aus der unsere Taten hervorgegangen sind.  Das Motiv unseres Handelns sollte immer die Liebe sein, zu den Gäubigen wie auch zu den noch Ungläubigen. - Und lasst uns nicht einander den rechten Glauben absprechen. Die Beurteilung des Gläubigen steht allein Gott zu.

20.09.2014 Kk

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