Unser "Ja" zur Erlösung

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Wenn jemand krank wird und körperliche oder geistig-seelische Beschwerden verspürt, dann muss er sich entscheiden, ob er zum Seelsorger oder zum Arzt gehen will oder zu beiden! Sollte eine Operation vom Chirurgen  vorgeschlagen werden, dann ist ein Einverständnis des Patienten erforderlich sowohl für die Operation als auch für die Art derselben.

Sollte es bei Gott anders sein, wenn es um unser Seelenheil geht? - In einem Vortrag  legte ein Prediger das Gleichnis Jesu vom verlorenen Sohn  aus. Er übertrug es , wie es auch üblicherweise in Predigten geschieht, auf das Verhältnis zwischen dem verlorenen gottlosen Sünder in dieser Welt und Gott, dem himmlischen Vater. Dabei zitierte der Prediger die landläufige Meinung, dass im Gleichnis zwar der Sohn die meisten buchstäblichen Schritte zurücklege muss - aber was die Versöhnung angehe, so werde der Vater von den hundert sinnbildlichen Schritten 99 unternehmen, vom Sohn sei nur einer erforderlich, der in der Bereitschaft bestehe, endlich heim zu wollen.

Der Prediger selbst war aber der Meinung, der himmlische Vater müsse alle 100 sinnbildlichen Schritte gehen.

Damit haben wir zwei grundverschiedene theologische Positionen vor uns, die spätestens seit der Reformation unter Geistlichen diskutiert wurden. Die eine vertrat Johannes Calvin. Er war der Meinung, dem Menschen sei vom Schöpfer vorausbestimmt, ob er errettet oder verflucht werde. Seine Lehre war die der doppelten Prädestination. Martin Luther hingegen vertrat die Ansicht, der Ungläubige sei ein willenloses Objekt des Teufels, solange er sich nicht zum Christentum bekehrt habe. Erst durch Reue, Buße und Umkehr werde er frei für ein Gott wohlgefälliges Leben.
Was Calvin gesagt hätte zum Entschluss des verlorenen Sohnes, endlich heimzukehren, das kann man sich denken: Gott hat beim bußfertigen Sünder ganz allein die Umkehr bewirkt. Er allein hat alle "100 Schritte" getan. Was Luthers Urteil betrifft, da wäre ich mir nicht ganz sicher. Doch vermute ich, er würde  glauben, dass der Entschluss zur Umkehr ein freier Entschluss des vormaligen Sünders sei, nachdem Gott  in ihm die Einsicht zur Umkehr hat reifen lassen.

Wenn der Mensch gar nichts zu seinem Heil beitragen kann, dann ist jede Verpflichtung, jeder Schwur unfreiwillig. Der Mensch wäre dann ein Roboter, den Gott programmiert hat. Das würde aber nicht zum Menschenbild der Bibel passen, die ja behauptet, Gott habe den Menschen nach seinem Bilde geschaffen. (1.Mose 1,27)
Blicken wir zurück zum Gleichnis: Dort sind beide beteiligt, Vater und Sohn. Beide handeln. Der Sohn muss bereit sein zur Umkehr, der Vater bereit sein zur Annahme. Jetzt zurück zur theologischen Wirklichkeit der Umkehr, die im Gleichnis veranschaulicht werden soll: "Würden wir zur errettenden Umkehr nichts beitragen, dann wäre das Gleichnis vom verlorenen Sohn unbrauchbar, um im Herzen eines Sünders geistliche Umkehr und Errettung zu bewirken!"

Welche Folgen haben die verschiedenen Auffassungen von Luther und Calvin?
Sehen wir uns zunächst die Situation im Judentum an: Wie ist es dort mit der Freiwilligkeit? Zunächst einmal: Wer Jude ist oder nicht, bestimmte die Mutter. Ist sie Jüdin, dann ist es auch ihr Kind. Dieses wird beschnitten als Zeichen seiner Zugehörigkeit zum Volk Gottes - ob es will oder nicht! Doch im Erwachsenenalter verlangt man von einer Jüdin oder einem Juden durchaus Verpflichtungen. Schon im AT wurden Juden durch Schwüre gebunden. (2.Sam. 21,2 / 2.Chron. 15,15, Neh. 10,30...)

Nun zum Christentum: In der Glaubenstaufe legt der Gläubige ein Gelübde ab. Er bekennt, dass er seine egoistische Lebensführung ablegen möchte, um mit Hilfe Gottes nach der Lehre Christi zu leben. Die Taufe des Johannes diente der Sündenvergebung und markierte , zumindest  bei der Taufe Jesu, den Beginn eines neuen Wegeabschnittes unter der Leitung des Heiligen Geistes. Auch während der ersten christlichen Jahrhunderten, in denen ausschließlich mündige Gläbige getauft und im Wasser völlig untergetaucht wurden, war mit der Taufe eine Umorientierung in der Lebensgestaltung des Täuflings verbunden. Das äußere Zeichen dieser Umorientierung war das völlige Untertauchen. Der alte Mensch wurde dadurch symbolisch begraben - der neue kam aus dem Wasser hervor. Es begann für den Getauften ein Lebensweg, der "ja" sagte zu Gottes Wegen. Dieser neue Weg wurde immer von Gott gesegnet.
Heute wollen die meisten Eltern der großen Landeskirchen diesen Segen für ihre Kinder gleich nach deren Geburt. Eigentlich ist dafür die Kindersegnung vorgesehen, die auch Christus damals mehrfach vornahm. Durch die Säuglingstaufe wird dem, der später zum Glauben bekehrt wird, die Möglichkeit genommen, seine Umkehr zum himmlischen Vater durch ein angemessenes Sakrament zu bezeugen. Wer als Erwachsener das nicht mehr hinnehmen möchte, der wird mitunter als Opfer der Wiedertäufer denunziert.

Wie ist es nun mit jenen, die gar nicht getauft wurden? - Sie gehen nicht verloren, so wie das beschrieben wird in Joh 3,36/Joh 5,24/Joh 6,40 und vielen anderen Textstellen der Bibel, selbst dann sind sie nicht verloren, wenn sie schon im Mutterleib ihr irdisches Leben dem Schöpfer hätten hingeben müssen. Die Kinder sind durch ihre gläubigen Eltern gesegnet und erlöst.

Zurück zum Gleichnis: Es ist laut Heiliger Schrift nicht wichtig zu wissen, ob bei der Bekehrung eines Menschen, welche hier gleichnishaft beschrieben wurde, der Vater im Himmel allein die Umkehr bewirkt oder ob der Sünder auch einen Beitrag dazu leisten muss. Die Hauptsache ist doch: Der gottlose Sünder bekehrt sich und besucht, wenn möglich, regelmäßig die Gottesdienste, um Gottes Hilfe immer neu zu erfahren! Den Glauben erkennt man an dem Verlangen des Menschen, Gottes Wort zu hüren und zu praktizieren. So wie das leibliche Leben irdische Nahrung aufnimmt, um als Mensch zu überleben, so ist der Gläubige auf das gehörte und gelesene Wort Gottes angewiesen, um als gläubiger Christ zu überleben. Auch erkennt er, dass er ständig um die Hilfe Gottes im persönlichen Gebet ringen muss. Glaube benötigt eigentlich kein Zeichen. Er sollte jedoch gelebt werden, Tag für Tag.

02.09.2017 Kk